Was war nochmal Freiheit?

Vielleicht erinnert ihr euch an unsere Aktion DIALOG ANALOG. In einem der Umschläge steckte ebendiese Frage nach der Freiheit. Wir finden sie besonders reizvoll, weil sie das Thema der Herbstakademie im vergangenen Jahr aufgreift. Und mit Leon Pelzer, Philosophiestudent und Freiheitssucher, hat sie genau den richtigen Adressaten gefunden. Seine Antwort dürfen wir im Folgenden mit euch teilen – danke!


Ich hoffe sie war nicht nur, sondern ist und wird auch immer wieder.

So stelle ich es mir zumindest vor, die Sache mit der Freiheit. Ein bisschen wie mit der Erleuchtung. Potenziell ist sie für jeden zu erreichen, immer da und in diesem Sinne nichts Besonderes. Trotzdem tun sich viele Menschen schwer damit „ihre Erleuchtung“ zu erreichen.

Wenn sie also nicht nur war, wo ist sie dann, die Freiheit?

Meine These wäre, sie könnte dort sein, wo nicht nach ihr gefragt wird. Dort, wo die Welt funktioniert und nicht ständig hinterfragt und (theoretisch) abgesichert wird, sondern einfach getan wird und es stimmig ist, dort könnte sie sein. Es es ist eine gewisse Unbeschwertheit im Blick auf und im Umgang mit Welt. Dieses „nicht-nach-Freiheit-fragen“ und diesen „leichten“ Umgang mit der Welt verbinde ich zunächst mit der Herangehensweise eines Kindes an das Leben. Nun lässt sich hier natürlich einwenden: „Was bringt es dem König, dass er ein König ist, wenn er nicht weiß, dass er einer ist“. Bin ich frei, wenn ich nicht weiß, dass ich es bin? So richtig wäre sie also nicht da, wo nicht nach ihr gefragt wird oder? Ich bin mir nicht sicher. Die Welt des Kindes scheint mir zunächst nicht die Schlechteste zu sein (Wenn man von Erziehung und Bildungswesen absieht, die sich mächtig ins Zeug legen um die Kinderwelt erwachsen zu machen). Die These muss zumindest erweitert werden.

Es soll ja vorkommen, dass die Frage nach der eigenen Freiheit früher oder später in der Biografie auftritt. Der Sündenfall ließe sich so interpretieren, wenn ich nicht irre. Ist die Frage einmal da, fällt wahrscheinlich erstmal auf, wo man nicht frei ist. Elterliche und kulturelle Prägung, Werbung und Reize auf die man immer gleich reagiert. Ist mir klar, wieso ich dieses oder jenes mag, diese Hobbys habe, mich jene Menschen interessieren, in diesem Studium/Beruf oder an dem Ort bin, an dem ich gerade bin? Solche und viele anderen Fragen lenken den Fokus auf die Bewusstheit meiner Handlungsursachen. Sind sie mir bewusst oder nicht?

Doch mit dem erstmaligen ernsthaften, ja existentiellen Auftreten der Frage nach meiner Freiheit, fällt nicht nur die Unfreiheit auf, es ist auch der Beginn der Möglichkeit von Freiheit. Man macht sich auf den Weg ein Prinz zu werden, um das obige Bild des Königs noch einmal ins Spiel zu bringen. Zunächst stelle ich vielleicht fest, dass es in der Kindheit Ereignisse gab, die mich geprägt haben, da kann ich jetzt nichts mehr dran ändern. Eine Wahl hatte ich da, aus der aktuellen Perspektive gesehen, nicht. Sei es drum. Ich kann ja jetzt immerhin entscheiden, wie ich mich zu meiner Vergangenheit verhalte. Ist das alles? Hoffentlich nicht. Es gibt ja Gegenwart und Zukunft. Vielleicht ist es ja möglich, sich die bisherige eigene Biografie durch die „Freiheitsbrille“ anzuschauen und sich und seine Handlungsursachen besser kennen zu lernen. So rollt man die Biografie wie einen Faden immer weiter auf, bis man in der Gegenwart ankommt. Dann heißt es nicht mehr, was hat dazu geführt, dass ich als Kind, dies oder jenes gemacht habe, sondern wieso habe ich mich Gestern, heute morgen, vor einer Stunde oder gerade eben so oder so entschieden?

Als sei das Eis nicht sowieso schon dünn genug bei dieser Freiheitsfrage, wage ich es nun auch noch zu behaupten, dass der Königsweg damit beginnt, die Freiheitsfrage nicht nur rückwirkend zu analysieren in dem obigen „Zweischritt“, der darin besteht erst zu handeln und dann nach kurzer oder langer Zeit zu fragen, ob man dort frei war, wieso man das getan hat etc. Der Prinz wird dann zum König, wenn aus dem Zweischritt ein Schritt wird. Und sei es, dass mir bewusst ist, dass ich gerade nicht weiß, wieso ich dieses oder jenes tue. Damit weiß ich schon mal mehr, als der, der gar nicht nach seiner Handlungsursache fragt oder der, der in der festen Überzeugung handelt, seine Gründe zu kennen und dabei völlig irrt.

So war Freiheit nicht nur, sondern könnte immer werden und ist auch ab und zu mal.


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